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Die etwas andere Weinprobe - Alte Wache Freiburg

Wenn's einfach passt!

Ein Samstag in Freiburg? Mit Pflichtprogramm? Klar, ein Abstecher in die „Alte Wache“ am Münsterplatz muss immer sein. Einfach mal kurz die Seele baumeln lassen. Im Winter bei einem wärmenden Glühwein, im Sommer bei einem süffigen Secco. 

 

Letzten Samstag gab es zur Abwechslung mal eine kalte Sophie und sogar einen Platz zum Sitzen. Und da wir ja gerne spontan sind, haben wir uns zwischen zweimal am Strohhalm ziehen für eine angebotene Weinprobe von Auggener Schäfer entschieden. Dauer 45 Minuten für 5 Euro. Na klar, da sind wir dabei. 

Die Weinprobe um 13 Uhr ist rum und die um 14 Uhr verbummeln wir knapp, weil ich mit dem Schlürfen der Kalten Sophie nicht hinterherkomme. Aber die nächste Probe kriegen wir hin. Kurz vor 15 Uhr drücke ich im ersten Stock der Alten Wache eine weißlackierte Tür auf. Dahinter vermute ich die Weinprobe. Die gedämpften Stimmen werden lauter, dann kurze Stille. 18 Augenpaare mustern mich. Das ist ja mal wieder peinlich. In Gedanken habe ich schon mit hochrotem Kopf den Rückzug angetreten. Ein gutgelaunter Herr mit weißem Hemd und schwarzer Weste winkt mich freundlich herein. An seinem Hals baumelt ein Brillenband mit Lesebrille, in seiner Hand eine fast leere Weinflasche.

 

Klar sind wir richtig zur Weinprobe. Gelächter, leicht gerötete Gesichter. Hier hat man wohl mächtig Spaß. Um drei Stehtische verteilt ist die Gruppe von 13 Uhr noch voll dabei, tatkräftig unterstützt von der 14 Uhr Gruppe. Wir verziehen uns zu zwei Damen, die an einem Stehtisch vor den Fenstern ihren Platz gefunden haben. Auch 15 Uhr Gruppe. Ich bin froh, dass wir nicht alleine reingeplatzt sind. Mit viel Hallo werden wir als Gruppe drei in die Runde aufgenommen. Dass wir noch ein „Gute-Laune-Defizit“ haben, wird großzügig ignoriert. Da wird eh gleich dagegen gesteuert.

Während die fröhliche Runde da weitermacht, wo wir sie gestört haben, steigen wir vier Neuen mit einem Baden Secco von Lauf ein. Fruchtig prickelnd. Hmmm. Davon könnte ich mir ein Fläschchen für daheim vorstellen. An einem lauen Sommerabend auf dem Balkon entspannt ein Gläschen Secco genießen. Ich seufze innerlich. Wie eine Seifenblase zerplatzt die Träumerei. Tja, wir haben weder Balkon noch Terrasse.

 

Der freundliche Herr mit der Weste ist Albert Gamb von Auggener Schäf und unser Repräsentant für diese Weinprobe. Zum Secco gibt es Wissenswertes über den Unterschied zwischen Secco und Sekt und warum es bei uns Secco und nicht Prosecco heißt. Das zweite Gläschen des prickelnden Getränks zeigt nicht nur bei mir, sondern auch bei Simone und Katrina aus unserer Gruppe schon etwas Wirkung. Evelyn aus Gruppe eins übernimmt das Vorlesen einer biblischen Weingeschichte von Noah. Dabei geht es um die unterschiedlichen Auswirkungen, die der Wein bei seinen Konsumenten auslösen kann. Ob es die Wirkung von den probierten Weinen ist, dass sie so bildlich liest, kann ich allerdings nicht beurteilen. Die Unterhaltung fliest wie der Wein und die gute Laune fühlt sich sichtlich wohl in der Runde. Schnell kennt man sich gefühlt schon ewig. Der Mix aus spaßiger Unterhaltung und Wissenswertem, garniert mit einem Schlückchen Wein und etwas Brot lässt die Zeit fliegen. Nach dem Sauvignon Blanc aus dem Winzerkeller Auggener Schäf finden noch fünf weitere Probenwillige den Weg in den Raum den dekorativen Weinflaschen in den Regalen und dem herrlichen Ausblick auf das alte Kaufhaus und das Münster. Die Neuen werden herzlich in der Runde aufgenommen und starten ohne Verschnaufpause mit dem Secco.

Für uns geht es mit einem Spätburgunder Rosé von Auggener Schäf und der No. 5 Edition von Laufener weiter. Simone und Katrina, unsere 15 Uhr Gruppenmitglieder, sagen ihren 16 Uhr Termin ab. Keiner aus der Runde denkt ans Gehen. Es wird Vorgetragen, Zugehört, Diskutiert, Geredet und Gelacht. Und natürlich Wein der Wein nicht vergessen. Der Regenguss, der Einheimische und Touristen über den Münsterplatz treibt, ringt uns nur ein zufriedenes Lächeln ab. Schließlich sind wir im Trockenen und haben die Weltbeste Unterhaltung. Leider lässt sich die Zeit nicht anhalten und der Uhrzeiger rückt unbarmherzig voran. Nach 17 Uhr heißt es dann doch so langsam Abschied nehmen. Die Zeche bezahlen, noch ein letztes Gespräch mit dem ein oder anderen und doch noch eine Flasche Secco mitnehmen. Die Runde bröckelt auseinander. 

Vielen Dank an alle, die aus dieser einfachen Weinprobe einen

ganz besonderen Nachmittag gemacht haben, der zumindest

mir als Highlight im Gedächtnis bleiben wird. 

Was ist die Kalte Sophie?

Die kalte Sophie ist ein Sorbet ähnliches Weingetränk, das primitiv gesagt in Richtung Slush geht. Es gibt es in den zwei Varianten weissheilig (Weißwein) und kaltblütig (Rotwein). Ich persönlich bevorzuge die weissheilige Kalte Sophie, wobei mir die Farbe von der kaltblütigen Kalten Sophie besser gefällt.

 

Was ist der Unterschied zwischen Secco und Sekt?

Euch brauch ich sicher nicht zu erklären, dass Secco weniger Kohlensäure hat als Sekt, daher mit einem Schraubverschluss statt einem Korken auskommt und nicht der Sektsteuer unterliegt. Und sicher wisst ihr auch, warum es bei uns Secco und nicht Prosecco heißt? Richtig, die Bezeichnung Prosecco ist seit 2010 eine geschützte Herkunftsbezeichnung für Schaumweine, die aus Italien kommen. Interessant fand ich, dass die Trauben für Sekt früher von den Rebstöcken runter müssen wie die für Wein, damit der Öchsle-Grad noch nicht so hoch ist. Leider habe ich verpasst zu fragen, wieviel früher. Aber nach dem zweiten Schluck Secco kann man so eine Frage schon mal vergessen zu stellen.

 

Wer hat den besten Wein? 

Das Breisgau oder vielleicht der Kaiserstuhl? Die Evelyn und Michael aus Württemberger geben gleich auf. Die Nordsee nickt und denkt an die Insel Föhr. Auch das Allgäu meldet sich zu Wort. Aber da sind wir Ortenauer uns einig: Ganz klar, der beste Wein kommt aus Gengenbach und Durbach. 

 

Wie alt wird ein Rebstock?

Wir sehen in der Präsentation das Bild von einem ganz verknorzten Stock, der an die 65 Jahre auf dem Stammen hat. Mit 25 Jahren gilt ein Rebstock schon als alt. 

Bei neuen Rebbeständen erfolgt die erste Lese in der Regel mit einem Alter von drei bis fünf Jahren. Mit einem Alter von 20 Jahre lässt der Ertrag von Reben nach. Mit 50 Jahre gelten Rebstöcke als unwirtschaftlich. In Mitteleuropa werden Rebanlagen in der Regel mit einem Alter zwischen 15 und 30 Jahre erneuert. Es gibt jedoch auch kleinere Flächen von Weingütern, auf denen Reben mit einem Alter von 50, 60, 70 und zum Teil mehr als 100 Jahre stehen.

 

Wird man durch Alkohol schlauer?

Hier haben wir die Erklärung, warum sich manch einer nach einer Flasche Wein für schlau bzw. schlauer hält. 
Eine Herde mit Zebras bewegt sich nur so schnell wie das langsamste Tier ist. Greift ein Löwe die Herde an, frisst er das langsamste Tier. Die Herde wird schneller, weil das langsamste Zebra nicht mehr bremst. Wenn man davon ausgeht, dass das menschliche Gehirn nur so schnell arbeitet, wie die langsamste Gehirnzelle. Der Alkohol Gehirnzellen abtötet und dabei naturgemäß die langsamen Zellen tötet, wird das Gehirn nach Alkohol schneller. 

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